Entstehung des Wildparks Frankfurt (Oder)

Anläßlich der Auszeichnung des Vorsitzenden des Vereins Wildpark e. V., Hr. Dr. B. Schröder, durch den Frankfurter Rotary Club mit der Leopoldmedaille am 25.04.2005, gab dieser in seiner Dankesrede einen ausführlichen Überblick über die Entstehung:

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

ich möchte mich recht herzlich bei Ihnen für diese Auszeichnung bedanken und ausdrücklich sagen, dass ich sie vor allem als Anerkennung für die ehrenamtliche Arbeit unserer Vereinsmitglieder insgesamt sehe. Ohne die vielfältige Unterstützung unseres Vorstandes, vieler Mitglieder, Sponsoren und Bürger unserer Stadt wäre die Verwirklichung der Idee des Wildparks so nicht möglich geworden. Da der vorgesehene Festvortrag nicht gehalten werden kann, habe ich Gelegenheit erhalten, etwas ausführlicher zum Wildpark und seiner Entstehung zu sprechen. Das will ich gern tun.
Einen Zoo, Heimattiergarten, Wildpark oder ähnliche öffentliche Einrichtungen gab und gibt es in vielen Orten. Allein in Brandenburg waren es im Jahre 2000 ca. 80 größere und kleinere, so auch in Eisenhüttenstadt, Fürstenwalde, Cottbus, Wriezen, Eberswalde, Altreetz, Seelow ... nur in Frankfurt (O) viele Jahre nicht.
Doch gerade in einer größeren Stadt ist so etwas für die Entwicklung des Verständnisses für Natur und Umwelt, das Erkennen und Erleben der Vielfalt von Flora und Fauna besonders für Kinder und Jugendliche und auch als Ort der Ruhe und Entspannung von großer Bedeutung.
Unsere eigenen Kinder fuhren damals als Schüler in die Waldschule nach Müllrose oder in den Heimattiergarten nach Fürstenwalde.
Und das hat mich und auch andere schon damals geärgert.
Der Blick in die Vergangenheit zeigte, dass es in den 30er Jahren ein beliebtes Ausflugslokal mit Gehegetierhaltung in der Klingemühle gab. Später dann in den 50er und 60er Jahren waren einige Tiergehege im Kleistpark.
Eine Tollwutinfektion, in deren Folge viele Tiere getötet werden mussten und die Einschränkung des Kleistparks durch den Wohnungsbau beendeten diese Episode. Der allseits anerkannte und verehrte OB Fritz Krause und sein Rat konnten auch nicht über den eigenen Schatten springen.
Von mir als damals jungen Kreistierarzt angesprochen, sagte er verständnisvoll: "Junge, die Idee ist gut, aber ich sehe dazu keine Möglichkeit."
In den Jahren 1879/81 wurde in Frankfurt (Oder) die Grenadierkaserne in der heutigen August-Bebel-Straße errichtet.
Für die Soldaten dieser "gelben Kaserne", deren Gebäude seit 1999 von der Universität Viadrina genutzt wird, war ein Schießplatz notwendig. Der wurde ca. 1880 im Stadtwald zwischen den Dörfern Rosengarten und Booßen geschaffen. Es gab 8 Schießbahnen, ein Wacht- und Scheibenhaus mit einer Wachtstube, Wohnung für den Schießaufseher, Scheibengelassen, Scheibenwerkstatt, Unterstand für 7 Pferde und 2 Latrinen.
Seit dieser Zeit wurde dieses Gelände als Schießplatz genutzt und mit unterschiedlichsten Bauten versehen. Geschossen wurde mit Infanteriewaffen. Aus dieser Zeit hat das 16 ha große Gelände auch seinen landschaftlichen Reiz. Die einzelnen Schießbahnen wurden von Erdwällen begrenzt, die im Laufe der Jahre mit einem attraktiven Baum und Strauchbestand bewuchsen.
Bis 1994 war dann die Sowjetarmee hier stationiert und betrieb auch noch eine Schweinemast und Gärtnerei. Ein Wohnhaus für Offiziersfamilien, wahrscheinlich in den 50er Jahren gebaut, wurde bis 1994 von Offizieren der russischen Westtruppen bewohnt.
Die russischen Truppen waren plötzlich von heute auf morgen verschwunden. Der Schlagbaum in Rosengarten an der Dicken Eiche machte keinen Sinn mehr.
Und da war sie, die Möglichkeit etwas zu tun!
Jetzt musste nur ein vernünftiges Konzept her, das Gelände beräumt, umfangreiche Abriss- und Renaturierungsarbeiten ausgeführt werden.
Dank dem damaligen Arbeitsamt und ABM war das in etwas mehr als 2 Jahren getan.
Für das Konzept Wildpark und die Darstellung von Wild- und Haustieren sprachen die damit verbundenen überschaubaren Kosten und das Profil des Geländes. Der Besucher sollte auf einem Rundweg Natur erleben und verschiedene Tierarten in großen Gehegen oder ganz frei beobachten können.
Ideen zu haben, Engagement zu entwickeln, ist wichtig. Aber noch wichtiger ist es, Verbündete und politisch Verantwortliche zu finden, die die notwendige Unterstützung geben. Und dieses Glück hatten wir. Hier ist besonders zu danken dem damaligen Bürgermeister Herrn Ewert und auch dem damaligen OB Herrn Pohl. Außerdem ist zu danken dem Internationalen Bund für Berufsbildung (IB) und seiner damaligen Leiterin Frau Edelmann sowie den Gründungsmitgliedern unseres Vereins, die sich im Januar 1999 zusammenfanden.
Vor kurzem habe ich das Begleitheft zur 750-Jahrfeier von Frankfurt (O) in Händen gehabt. Darin ist ein Streifzug durch die Geschichte unserer Stadt enthalten. Hier sind alle wichtigen Daten vermerkt, so z. B.
1253 verleiht Markgraf Johann 1. Frankfurt (O) das Stadtrecht
1430 Ratsherr Martin Wins nimmt am Hansetag in Lübeck teil.
Das ist der erste Hinweis auf Frankfurt (O) Hansemitgliedschaft.
1500 Privileg zur Stiftung der Universität durch Kaiser Maximilian 1.
1600 Die Viadrina ist eine der drei meistbesuchten deutschen Universitäten
1785 Die Oderflut ist gewaltig und Herzog Leopold von Braunschweig kommt bei Rettungsversuchen ums Leben.
usw.
Und was steht unter der Jahreszahl 2000?
Man will es kaum glauben:
1. Am 28.04. wird das Kleist-Theater geschlossen
2. Am 01.06. Eröffnung des Wildparks in Rosengarten
3. Am 02.09. Brandenburgtag in Frankfurt (Oder).
Das ist nun doch ein bisschen der Ehre zu viel, war aber aus taktischen Gründen so formuliert. Der Wildpark war Benefizobjekt des Brandenburgtages, es kamen
ca. 18.000,00 DM zusammen und das war unsere Anschubfinanzierung.
Auftakt war ein wunderbares Konzert der Singakademie in der Marienkirche.
Von nun an gings bergauf!
Die Frankfurter waren begeistert, nahmen die Idee auf und unter dem Druck der Besucher und Dank der vielen Sponsoren und Helfer können wir in diesem Jahr am 4. Juni mit einem großen Kinderfest "5 Jahre Wildpark" feiern.
Ein paar der wichtigsten weiteren Sponsoren und Förderer möchte ich hier noch nennen:
• Singakademie Frankfurt (Oder)
• ÜAZ der Bauwirtschaft
• Arbeitsamt/ Agentur für Arbeit
• Landwirtschaftsbetriebe Booßen, Lichtenberg, Kliestow
• Stadtwerke und FWA
• Handwerkskammer
• Baufirma Boettner
• Gerichtshilfe und Staatsanwaltschaft Frankfurt (O)
• Versicherungen Allianz, Concordia
• vielen Ämtern der Stadtverwaltung
• den aktiven Vereinsmitgliedern und
• vielen Bürgern, die mit kleinen und großen finanziellen und materiellen Spenden den
derzeitigen Zustand ermöglicht haben.
Die Zahl der Besucher hat sich ständig vergrößert.
Im letzten Jahr waren es über 35 000. Beliebt ist der Wildpark auch bei Schülern und Jugendlichen, die ein Praktikum absolvieren müssen. Inzwischen waren es schon 35, auch ein Lehrling wird ausgebildet.
Nun zurück zu unserem Herzog Leopold.
Er war ein aufgeklärter Fürst, dem auch die Schulbildung der Soldatenkinder am Herzen lag und die er durch die Stiftung der Garnisonsschule förderte. Sein tragisches Ende ist bekannt.
In dieser Beziehung soll er uns kein Vorbild sein. Deshalb müssen wir als Verein neue Wege suchen.
Auf Dauer wird die Agentur für Arbeit uns nicht fördern können. Der Arbeitsaufwand für unseren Verein als derzeitigen Betreiber geht über das zumutbare Maß ehrenamtlicher Tätigkeit längst hinaus. Die verfügbaren Mittel zur Förderung von Kultur im Haushalt der Stadt sind beschränkt und eine privatwirtschaftliche Betreibung mit deutlich höheren Eintrittspreisen ist illusorisch. Wir sind also auf der Suche und z. Z. auch in Verhandlung mit einem Betreiber, der die Zukunft des Wildparks mit unserem Verein gemeinsam sichert und so eine Entwicklung nach vorn garantiert. Allein an den Osterfeiertagen hatten wir ca. 3 000 Besucher. Der neue Parkplatz reicht manchmal schon nicht mehr aus.
Unsere Wildparkschule wird, unterstützt vom Staatlichen Schul- und Schulverwaltungsamt, sehr gut aufgenommen und von engagierten Lehrerinnen betreut. Damit haben sich die Ziele, die wir uns vor 10 Jahren gesetzt haben, verwirklicht.
Aber es gibt auch noch sehr viel zu tun und wir werden gemeinsam und beharrlich weiter arbeiten.
Ich möchte mich nochmals bei den Mitgliedern des Rotary Club's Frankfurt (O) recht herzlich bedanken und Sie alle einladen zu den nächsten Veranstaltungen:
• Großes Kinderfest am 04.06.05 (10.00 - 16.00 Uhr)
• "Die Welt der Oper" am 26.06.05 (Singakademie Frankfurt (O), 15.00 Uhr)

Vielen Dank!